GModG gefährdet Qualität künftiger Gebäude
BenG warnt: Neue Bewertungssystematik macht schlechtere Dämmung rechnerisch attraktiv – mit dauerhaften Folgen für Energiekosten und Versorgungssicherheit
Der Bundesverband effiziente nachhaltige Gebäude e. V. (BenG) warnt in einem Anfang Juni vorgestellten Positionspapier vor gravierenden Fehlanreizen im Entwurf des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG). Während die öffentliche Debatte bislang vor allem die künftigen Vorgaben für Heizungen in den Blick nimmt, sieht der Verband erhebliche Risiken für die energetische Qualität künftiger Neubauten.
Nach Einschätzung des BenG führt die geplante Umstellung der energetischen Bewertung dazu, dass gesetzliche Anforderungen künftig deutlich leichter über die Anlagentechnik erfüllt werden können. Durch die Absenkung des Primärenergiefaktors für Strom und die neue Berechnungssystematik werde eine hochwertige Gebäudehülle rechnerisch entwertet. Selbst Gebäude mit geringerem Dämmstandard könnten die gesetzlichen Grenzwerte künftig problemlos einhalten, sofern sie mit einer Wärmepumpe ausgestattet sind.
„Damit droht ein Rückschritt bei der Energieeffizienz von Gebäuden, obwohl die Gebäudehülle die Grundlage für dauerhaft niedrige Energieverbräuche bildet“, erklärt der Verband. Investitionen in bessere Dämmung, hochwertige Fenster oder Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung würden wirtschaftlich weniger attraktiv.
Kritisch bewertet BenG in diesem Zusammenhang auch die Auswirkungen der ab 2030 vorgesehenen verpflichtende Lebenszyklusanalyse (LCA). Durch die deutlich günstigere Bewertung von Strom im neuen Regelwerk verliere der Energieverbrauch im Gebäudebetrieb erheblich an Gewicht, während Emissionen aus der Herstellung von Baustoffen stärker ins Gewicht fielen. Dies könne dazu führen, dass hochwertige Dämmstoffe oder Dreifachverglasungen in der Bilanz schlechter bewertet werden als energetisch schwächere Lösungen.
Die Folgen seien langfristig: Höhere Heizenergieverbräuche würden über Jahrzehnte festgeschrieben, Bestand bleibt unsaniert, die Belastung der künftigen Energieinfrastruktur nehme zu und bestehende Förderstandards verlören ihre bisherige Aussagekraft.
BenG fordert deshalb vor Verabschiedung des Gesetzes eine unabhängige Wirkungsfolgenabschätzung. Zudem müssten die Mindestanforderungen an die Gebäudehülle ambitioniert bleiben, die Wechselwirkungen zwischen Energierecht und Lebenszyklusbewertung überprüft sowie die KfW-Förderstandards rechtzeitig angepasst werden.
„Klimaschutz im Gebäudesektor darf nicht dazu führen, dass die Qualität von Gebäuden sinkt. Energieeffizienz und hochwertige Gebäudehüllen bleiben zentrale Voraussetzungen für dauerhaft bezahlbares und klimafreundliches Wohnen einerseits und ausreichende Verfügbarkeit von Energie für andere Sektoren wie Verkehr und Industrie“, betont der Verband.