Wenn der Kämmerer für mehr Nachhaltigkeit plädiert
Ein Gespräch mit Dietmar Lenz, Geschäftsführer der LNB GmbH, über ein Bewertungstool, das nachhaltiges Bauen für Kommunen praktikabel macht.
In einem Fachbeitrag zitierten Sie 2025 den Kämmerer des Landkreises Ravensburg mit dem Satz, Nachhaltigkeit sei kein Kostentreiber. Ein Kämmerer, der für mehr Ökologie wirbt – ist das nicht eher die Ausnahme?
Genau deshalb funktioniert das Zitat auch so gut. Ein Kämmerer schaut zuerst auf den Haushalt, nicht auf das Label am Gebäude. Wenn Franz Baur sagt, dass sich durch frühe Nachhaltigkeitsbegleitung, Variantenprüfung und Low-Tech-Ansätze langfristig Kosten einsparen lassen, dann ist das keine Marketingaussage, sondern eine Beobachtung aus über 30 kommunalen Projekten. Der LNB betrachtet Gebäude über den gesamten Lebenszyklus – Investition, Energieverbrauch, Wartung, Langlebigkeit. Und dabei zeigt sich immer wieder: Robuste Low-Tech-Lösungen sind oft günstiger als komplexe Haustechnik, die später wartungsintensiv wird.

Was unterscheidet den LNB von anderen Gebäudebewertungssystemen?
Es geht nicht darum, ein weiteres Zertifikat neben viele andere zu stellen. Wir haben bei unserem Ansatz bewusst nicht auf zu viele Einzelindikatoren gesetzt, sondern uns auf vier wesentliche Themenfelder konzentriert. Kommunen sollen sich nicht durch komplizierte Nachweisführung kämpfen müssen, sondern mit einem klar strukturierten System arbeiten, das sie tatsächlich anwenden können. Reduzierter Aufwand mit wertvollem Output statt komplexer Nachweisführung – das war von Anfang an der Anspruch.
Wie läuft die Begleitung eines Projekts konkret ab?
Der LNB setzt idealerweise sehr früh an, oft schon im Wettbewerb oder im Vergabeverfahren zur Planerauswahl – dort werden die Nachhaltigkeitsvorgaben festgelegt. LNB-Expert:innen begleiten dann von der Bedarfsplanung bis zur Fertigstellung, geben Empfehlungen zu Haustechnikkonzepten, Materialien und Konstruktionen, achten auf Kreislaufwirtschaft und emissionsarme Produkte und helfen, ökologische Kriterien in die Ausschreibung zu bekommen. Am Ende steht ein ökologisch und wirtschaftlich optimiertes Gebäude mit einem LNB-Zertifikat.
Können Sie ein Beispiel aus der Praxis nennen, an dem man das nachvollziehen kann?
Die Kreissporthalle Wangen im Allgäu ist ein gutes Beispiel: Schadstoffarme Baustoffe und Konstruktionen für ein gesundes Raumklima, umgesetzt zu wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Größer gedacht ist KARLA, das neue Verwaltungs- und Bildungszentrum des Landkreises Karlsruhe – ein Holzhybridbau als eines der höchsten Holzhochhäuser Europas, realisiert mit dem Label „Holz von Hier“. Kurze Transportwege, emissionsarme Materialien, klare Nachhaltigkeitsvorgaben schon im Wettbewerb. So kann die öffentliche Hand nachhaltiges Bauen praxistauglich umsetzen.
Was hat es mit LNB_QNG auf sich, und warum ist das für Kommunen interessant?
Der LNB_QNG ist die Erweiterung, mit der wir auf die Fördersituation in Deutschland reagiert haben. Er ist akkreditiert und für öffentliche Bauherren anerkannt als eines von drei Systemen in Deutschland für das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude bei öffentlichen Nichtwohngebäuden. Für Kommunen heißt das: Über die QNG-Zertifizierung lassen sich beim Förderprogramm „Klimafreundlicher Neubau“ Bundesförderungen von bis zu einer Million Euro pro Projekt sichern. Das ist ein sehr überzeugendes Argument für die Anwendung in der Praxis.

Die LNB GmbH kooperiert unter anderem mit dem Bundesverband effiziente nachhaltige Gebäude, BenG. Was ist der Hintergrund dieser Partnerschaft?
Mit BenG als Verband für effiziente nachhaltige Gebäude verbindet uns das gleiche Ziel, nämlich nachhaltiges Bauen in die Breite zubringen. BenG hat zudem einen Sitz in unserem Advisory Board. Ein wesentlicher Vorteil unserer Partnerschaft: Wer als BenG-Mitglied den Lehrgang zur LNB-Expertin oder zum LNB-Experten macht, spart 20 Prozent der Kursgebühr. Und BenG-Mitglieder, die zugleich LNB-Expert:innen sind, treffen sich in einem Anwenderforum zum Austausch. Dort werden Fragen zu einzelnen Kriterien diskutiert und Verbesserungsvorschläge gesammelt, die dann zu uns zurückfließen. Das hält das System nah an der Praxis, statt dass am grünen Tisch entschieden wird, was für Kommunen richtig ist.
Wo sehen Sie den LNB in fünf Jahren?
Die Basis für die weitere Entwicklung haben wir mit der LNB GmbH als Trägergesellschaft geschaffen, an der die AnBau Agentur für nachhaltiges Bauen und der Landkreis Ravensburg beteiligt sind. Das Ziel ist, deutschlandweit LNB-Expert:innen auszubilden, die Tools weiterzuentwickeln und nachhaltiges Bauen fest in der kommunalen Praxis zu verankern – nicht als Ausnahmeprojekt, sondern als Standard. Der LNB soll eine Brücke zwischen Vision und Umsetzbarkeit sein.

Zum Interviewpartner
Dietmar Lenz ist Experte für Prozesskoordination im nachhaltigen Bauen. Er war von 2001 bis 2022 beim Umweltverband Vorarlberg Leiter des Bereichs „Nachhaltige Beschaffung und Vergabe“ und koordinierte das Servicepaket „Nachhaltig:Bauen in der Gemeinde“ in Vorarlberg. Er ist Mitentwickler des LNB und Geschäftsführer der LNB GmbH.
Das BenG-Beratungstelefon zu LNB
Sie interessieren sich für die Begleitung eines öffentlichen Bauvorhabens mit dem Planungs- und Bewertungstool LNB (Leitfaden Nachhaltig Bauen) oder LNB_QNG?
Sie möchten erst mal ein paar grundsätzliche Dinge von unabhängiger Seite dazu erfahren oder haben ein paar konkrete Fragen zum LNB? Gerne informieren wir Sie näher und kostenlos in einem persönlichen Telefonat.
Sie sprechen dabei mit eine:r ausgebildeten LNB-Expert:in, die Sie unabhängig informiert und nach bestem Wissen berät.
Jetzt Rückruf anfordern.