Noch immer ranken sich um das Passivhaus abenteuerliche Legenden. Gezielt gestreute wilde Gerüchte kursieren, aber auch Irrtümer und Halbwahres. Die teils verblüffenden Wahrheiten sind überraschend.

Die am Schluss rund 20 Artikel sind amüsant zu lesen und räumen mit verbreiteten Vorurteilen auf. Schauen Sie gelegentlich vorbei. Fortsetzung folgt!

Mythos Nr. 1: „Im Passivhaus darf man die Fenster nicht öffnen“

Herrje – der Klassiker! Der Mythos, wonach man im Passivhaus die Fenster nicht öffnen darf, ist so alt wie das energieeffiziente Bauen überhaupt. Er könnte Stoff für eine interessante Forschungsarbeit sein, die sich damit beschäftigt, wer diesen Mythos einst geboren hat und welche dunklen Mächte ein Interesse daran haben, dass er beständig weiterlebt. Vermutlich sind es ewig gestrige Architekten und Bauträger, die die Frage ihrer Bauherren nach einem Passivhaus seit Jahren mit dem Satz abtun: „Ein Passivhaus – um Gottes Willen, Sie wissen, dass man da keine Fenster aufmachen darf?“ Oder noch besser „...keine Fenster aufmachen kann?“ Denn auch dieses Klischee hält sich hartnäckig; demnach sind Passivhäuser nur mit Festverglasung ausgestatten, die – sogar in höchster Not! – nicht geöffnet werden können. Braucht es ein überzeugenderes Argument, um Bauwillige von der Idee eines aufwändig und penibel zu planenden Hauses abzubringen, als ihnen klaustrophobische Visionen zu bereiten?

Zur Sicherheit sei es an dieser Stelle noch einmal klar gesagt: Mann kann und darf im Passivhaus die Fenster öffnen! Die Wahrheit ist ganz simpel: Ersetzt man „darf nicht“ durch „muss nicht“ erschließt  sich die ganze Welt des Wohlfühlens im Passivhaus: „Im Passivhaus muss man die Fenster nicht öffnen“. Immer gute Luft trotz meistens geschlossener Fenster – das ist einer der emotionalen Hauptvorteile aller Häuser, die mit kontrollierter Wohnraumbelüftung ausgestattet sind. Andere müssen ihre Kinder in der Zugluft des gekippten Fensters schlafen lassen. Andere müssen ihre Gäste wegen einer kurzzeitigen Stoßlüftung um Verzeihung bitten. Andere müssen nach dem morgendlichen Duschen entscheiden, ob sie den Weg zur Arbeit antreten, ohne das Badezimmer ausreichend zu lüften oder dies durch ganztägig geöffnete Fenster auskühlen lassen. Passivhaus-Bewohner machen sich darüber keine Gedanken mehr. Sie müssen die Fenster nicht öffnen, um durch Luftwechsel CO2 und Feuchte abzutransportieren.

Trotzdem aber können die Passivhaus-Bewohner ihre Fenster öffnen. Sie dürfen auch. Sommers wie winters. Weil sie es aber nicht mehr müssen, werden sie es im Winterhalbjahr kaum mehr machen. Wer das Fenster öffnet zerstört weder einen gelegentlich vermuteten speziellen Luftdruck im Gebäude (es herrscht weder Unter- noch Überduckt, darum zischt oder ploppt es nicht beim Öffnen der Fenster), noch die Energiebilanz des Hauses. Der Anteil eines im Winter kurzzeitig geöffneten Fensters am Gesamtluftwechsel ist so gering, dass der erhöhte Aufwand zur Erwärmung der einströmenden Luft im nicht messbaren Bereich liegt. Dies gilt genauso für die Haustüre. Im Sommer oder bei starker solarer Erwärmung können die Fenster natürlich auch längere Zeit offen stehen, an Sommertagen ist die ausgiebige Fensterlüftung in der Nacht oder am frühen Morgen sogar sinnvoll, um die Wärmespeicher (Möbel, Böden, Wände etc.) zu entleeren.

Mythos Nr. 2: „Luftdichte Häuser sind ungesund"

Falsch – luftdichte Häuser sind natürlich nicht ungesund. Allerdings muss man für ausreichende Belüftung sorgen und eine Lüftungsanlage ist bekanntlich fester Bestandteil des Passivhauses. „Ein Haus muss atmen können" – davon waren und sind Eltern und Großeltern der heutigen Bauherrengeneration überzeugt. Tatsächlich atmen deren Häuser häufig durch Fenster, Dach und Wände. Der Begriff „Atmung" ist sehr passend, denn faktisch verhalten sich die atmenden Gebäude wie ein lebender Organismus: feuchte, stark CO2-haltige und warme Luft wird abtransportiert; im Gegenzug wird frische und kühle Luft eingesogen. Mit hohem Energieaufwand wird die neue Luft dann auf die Solltemperatur gebracht. Diejenigen, die in ihre atmenden Gebäude später deutlich bessere Fenster einbauten ärgerten sich zu Recht über die Bildung von Kondenswasser – die alten, atmenden Fenster unterstützen den Feuchtetransport erheblich. Wie ungesund musste es dann erst sein, wenn nicht nur die Fenster, sondern das ganze Haus luftdicht ausgeführt werden? So ist die Mär entstanden, wonach luftdichte Häuser ungesund sein müssen.
 
Ungesund baut heute wirklich, wer nach den gesetzlichen Mindeststandards baut und allein auf die Fensterlüftung setzt. Denn nicht nur das Passivhaus ist luftdicht; auch für das konventionelle Niedrigenergiehaus schreibt die Energieeinsparverordnung (EnEV) eine „dauerhaft luftundurchlässige" Ausführung vor. Mit Fensterlüftung allein ist der notwendige Luftaustausch kaum zu bewältigen. Im Passivhaus ist unter anderem deshalb die Lüftungsanlage fester Bestandteil des Konzepts. Damit werden die Vorteile der „atmenden" Gebäude, nicht aber deren Nachteil übernommen: Verbrauchte, feuchte Luft wird ebenso abgeführt, die Wärme der Luft wird aber über die Wärmerückgewinnung auf die frische Luft übertragen, was zu erheblicher Energieeinsparung führt.

Kalte Füße – die typisch für „atmende" Altbauten sind, weil sich am Fußboden die gefürchteten Kaltluftseen bilden – braucht man im Passivhaus nicht zu fürchten. Deshalb gilt sogar: Passivhäuser sind luftdicht und somit gesünder!

Mythos Nr. 3: „Im Passivhaus kann man keinen Ofen betreiben"

Die Annahme, im Passivhaus kann man keinen Ofen betreiben ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig. Es lohnt sich, sich genauer mit diesem Vorurteil zu befassen.
Richtig ist, dass der handelsübliche Kaminofen oder der klassische Kachelofen des Ofenbauers im Passivhaus nicht zu verwenden sind, und das gleich aus mehreren Gründen:

  • Das Ofenrohr erfordert eine Durchdringung der Außenwand. Dies allein stellt schon eine Wärmebrücke dar. Das Rohr selbst ist nicht gedämmt und, auch wenn der Ofen aus ist, nicht hermetisch verschlossen. Es stellt daher einen regelrechten Kaltluftkanal bzw. Wärmeabzug dar.
  • Einfache Kaminöfen, z.B. aus dem Baumarkt haben eine Heizleistung von 6 bis 8 kW, bessere Kachelöfen liegen meist deutlich darüber. Solche Heizleistungen sind fürs Passivhaus aufgrund der guten Dämmung und der luftdichten Bauweise wesentlich zu hoch; der Raum wäre in kürzester Zeit überhitzt.
  • Feuer braucht Sauerstoff. Dieser wird bei gewöhnlichen Öfen der Raumluft entnommen, was kein Problem ist, weil durch die relativ undichten Wände und Fenster genügend Luft nachströmen kann. Im luftdichten Passivhaus kann die Lüftungsanlage dies nicht übernehmen.

Herkömmliche Öfen haben also im Passivhaus nichts verloren. Dennoch gibt es Lösungen für alle, die auf die Gemütlichkeit eines Feuers und das faszinierende Züngelspiel der Flammen nicht verzichten wollen. Eine einfache Lösung sind Ethanolöfen. Diese arbeiten mit Bioalkohol schadstofffrei und verbrennen ohne Rauchentwicklung (die Firma BFT vermarktet Sie deshalb unter der Marke „Nichtraucher"). Aus diesen Gründen können Sie problemlos im Passivhaus betrieben werden, ohne dass weitere technische Vorkehrungen getroffen werden müssen. Für die Lüftungsanlage sind einfach 1-2 Personen mehr im Raum. Die Heizleistung der Ethanolöfen liegt bei ca. 1 bis 3 kW und ist damit so niedrig, dass Sie manchmal sogar warnen: „Achtung Dekofeuer – nicht für Heizzwecke geeignet". Für konventionelle Gebäude ist dies richtig, im Passivhaus ermöglich diese Heizleistung einen gemütlichen Winterabend in einem Wohnzimmer, das bald kuschelig warm ist.

Etwas aufwändigere Lösungen gibt es auch für diejenigen, die sich der Romantik brennenden Holzes nicht entziehen können. Zu empfehlen sind dann grundsätzlich raumluftunabhängige Geräte, also Öfen, die den Sauerstoff nicht aus dem Wohnzimmer sondern von draußen beziehen. Die Zuluft wird dann über einen gesonderten Schornsteinzug oder über einen Luftkanal angesaugt. Das Problem der eigentlich zu hohen Heizleistung lösen die Hersteller auf verschiedene Weisen. Wodtke hat beispielsweise einen passivhaustauglichen Pellet-Ofen für den Wohnraum, der mit der (zu viel) erzeugten Wärme praktischerweise gleich den Warmwasserspeicher speist. Der Hersteller Gerco arbeitet ähnlich: Über einen Pufferspeicher können herkömmliche Heizkörper oder der Warmwasserspeicher erwärmt werden.
Prinzipiell also gilt: Passivhaus und Ofen – wenn man will, ist es machbar.

Mythos Nr. 4: „Das Passivhaus hat dicke, lichtundurchlässige Kastenfenster"

Es sei gleich gesagt: An dem Gerücht, dass man in ein Passivhaus immer Kastenfenster, die wenig Licht in den Raum lassen, einbauen muss, ist so ziemlich alles falsch. Das Kasten(doppel)fenster (also ein Fenster, bei dem die hintereinander liegenden Fensterflügel unabhängig voneinander zu bedienen sind) ist vor allem aus dem Altbau bekannt. Tatsächlich gibt es passivhaustaugliche Modelle, die ihre Liebhaber finden, sei es für die Altbausanierung oder, um die pfiffigen Anwendungsmöglichkeiten auch im Neubau zu nutzen. So kann beim Kastenfenster durch verschiedene Schließ- und Kippmechanismen im Sommer die solare Erwärmung reduziert, im Winter dafür erhöht werden. Moderne Kastenfenster bieten dieselbe Lichtausbeute wie „herkömmliche" hoch dämmende Fenster. Die meisten Passivhausbauherren freilich haben nie von Kastenfenstern gehört und entsprechend keine in ihren Gebäuden eingebaut. Der Mythos von der dicken Zwangsluke als Fenster kann also getrost begraben werden.

Überhaupt ist der Gedanke, dass Passivhausfenster einer gewissen Einförmigkeit unterliegen komplett abwegig. Es gibt sie in nahezu allen Formen und Formaten, aus Holz, Kunstsoff, Aluminium oder im Materialmix, mit schmalen oder breiteren Rahmen, in dickerer oder schlankerer Ausführung. Allen gemein ist die Dreifach-Verglasung und ein effektiver U-Wert für das ganze Fenster (Glas mit Rahmen in eingebautem Zustand) von kleiner oder gleich 0,8 W/m²K.

Mythos Nr. 5: „Im Passivhaus kann man mit einer Kerze heizen"

Stimmt der Mythos, wonach für das Passivhaus eine Kerze als Heizung ausreicht? Nein, das ist nun doch etwas zu optimistisch. Wobei es natürlich davon abhängt, was man im Einzelfall unter „heizen" versteht: um welche Jahreszeit soll die Temperatur erhöht oder gehalten werden? Um welche Solltemperatur geht es überhaupt? Wie groß ist der Raum, dessen Temperatur erhöht werden soll? Vor allem: in welcher Phase soll die Kerze zugeschaltet werden?

Im Gäste-WC mag eine Kerze schon beachtliches leisten können, insgesamt aber ist die Minimallösung nicht als erste Lösung zur Temperierung des Passivhauses anzusehen. Grundsätzlich arbeitet das Passivhaus immer mit einer Wärmerückgewinnung, mit solaren Erträgen und internen Wärmegewinnen durch anwesende Personen, elektrische Geräte und möglicherweise auch Kerzen. So kann die Kerze ohnehin nur ein Baustein in der gesamten Wärmezufuhr des Gebäudes. An kalten Wintertagen reicht dies alles nicht aus; bei den meisten Bewohnern übernimmt dann die Wärmepumpe die Erzeugung zusätzlicher Wärme, Spitzen werden mit elektrischer Direktheizung, Ofen oder durch anderen zusätzlichen Energieaufwand erreicht. Wer behauptet, er heize mit einer Kerze, verschweigt wahrscheinlich, dass sich an solchen Abenden die Flamme in fünf Augenpaaren spiegelt, die um den Esstisch sitzen.

Selbst rechnerisch reicht eine Kerze nicht aus: Angenommen ein Passivhaus mit 130 m² Wohnfläche hält sich exakt an den vorgegebenen Jahresheizwärmebedarf von 15 kWh/m²a nach Abzug solarer und interner Wärmegewinne. Insgesamt müssen dem Haus somit 1950 kWh an Wärme pro Jahr zugeführt werden. Eine handelsübliche Kerze erzeugt eine Heizleistung von rund 75 Watt. Ließe man das ganze Jahr über, Tag für Tag, Nacht für Nacht, immer genau eine Kerze brennen läge die Heizleistung bei 657 kWh/a. Mit genau drei Kerzen wäre damit die Temperierung tatsächlich gesichert. Allerdings nur rechnerisch, da wir von einer ganzjährigen Brennzeit ausgehen. Beschränkt sich die notwendige Nacherwärmung auf drei Monate im Jahr reichen demnach aber zwölf Kerzen, um das Haus warm zu halten, beschränkt man das Kerzenlicht auf die „gemütliche" Tageszeit von 16-24 Uhr müssen schon 36 Kerzen herhalten. Ökonomisch ist diese Art der Heizung übrigens unsinnig: selbst günstig eingekauft wären für die Kerzen um die 1000 EUR fällig. Da gibt es günstigere und sicherere Wege, die Restheizung im Passivhaus zu gewährleisten.

Fazit: Im Passivhaus kann eine Kerze beachtliches leisten, die alleinige Wärmezufuhr sollte man ihr nicht überlassen.


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BU: Kerzenlicht: gemütlich aber nicht ausreichend
Foto: BirgitH/pixelio

Mythos Nr. 6: „Im Schlafzimmer ist es zu warm!"

Der Schlafzimmermythos ist so alt wie das Passivhaus: Die Deutschen scheinen zum unterkühlten Schlafzimmer eine überhitzte Beziehung zu haben. Gründe dafür gibt es keine, allenfalls Erklärungen: Es ist noch nicht lange her, da heizte der zentrale Holz- oder Kohleofen insbesondere die gute Stube. Für die Schlafkammern reichten die Heizleistung und die -Technik schlicht nicht aus. In Verbindung mit undichten Fenstern und fehlender Dämmung führte dies zu lausiger Kälte außerhalb der Bettdecke. Das Gewohnheitstier Mensch wurde damit fertig und glaubte schließlich, genauso müsse es sein. Das Passivhaus jagt deshalb vielen die Furcht in die Glieder, im Schlafzimmer ohne frische Luft auskommen zu müssen.

Taktische Lösungen
Hiermit seien alle Bauwilligen beruhigt: 1. Für Frischluft im Sinne neuer Luft ist dank Lüftungsanlage bestens gesorgt. 2. Wer im konventionellen Haus auch im Juni gut schlafen kann, kann es im Passivhaus das ganze Jahr über. Der Trick: einfach die leichte Sommerdecke ganzjährig nutzen und statt Frottier-Schlafanzügen auf luftigeres Material setzen.
Wem das noch immer zu warm ist, kann auf taktische und technische Lösungen zurück greifen. Taktisch klug ist es etwa, den Temperaturfühler, der die Zulufterwärmung steuert, im Wohnbereich zu platzieren. Hier ist die Solltemperatur am Abend meist erreicht, wenn es im Schlafzimmer noch einige Grad weniger hat. Die Heizung muss sich auch im Winter nicht zuschalten und dank interner Wärmegewinne bleibt es im Wohnzimmer warm, im Schlafzimmer aber kühler, weil die Wärmegewinne dort ausbleiben. Die Ausrichtung des Schlafzimmers nach Norden, um solare Erwärmung zu vermeiden ist taktisch ebenfalls klug. Und wer ab und zu nachts das Fenster etwas öffnet, tut seiner Energiebilanz auch keinen Abbruch.

Technische Lösungen
Eine technische Lösung wäre, das Schlafzimmer von der allgemeinen Heiz- und Lüftungstechnik zu entkoppeln und mit einem eigenen kleinen Lüftungsgerät samt Wärmerückgewinnung zu versorgen. Weitere Lösungsmöglichkeiten bieten die modernen Heizungs- und Lüftungs-Aggregate fürs Passivhaus: Neben der Zulufterwärmung können diese über Zusatzheizkreise auch Extra-Heizflächen wie Wand- oder Fußbodenheizungen bedienen. Über solche zusätzliche Heizelemente können Wohnräume oder Badezimmer (dort können auch kurzfristig wärmende Direktheizungen wie Handtuchwärme oder Heizstrahler eingesetzt werden) erwärmt werden, ohne dass das Schlafzimmer zwangsläufig mit beheizt wird. Also: Vor dem warmen Schlafzimmer braucht keiner Angst zu haben, das frostige Schlafgemach darf man aber nicht erwarten.

Mythos Nr. 7: „Im Passivhaus muss man sich warm anziehen"

Die Szene wiederholt sich jährlich hunderte Male: Stolze, frischgebackene Passivhausbewohner laden sich Freunde ein, die entweder verschämt nach der passenden Kleidung für den Abend fragen oder sicherheitshalber gleich mit dicken Pullis und Socken kommen. Schon bei der Vorspeise werden die Köpfe rot und nach dem Hauptgang beginnt das große Entblättern: „Wir dachten, Ihr habt keine Heizung". Nicht wenige glauben noch immer, dass man im Passivhaus vor allem deswegen Heizkosten spart, weil man auf niedrige Temperaturen setzt und die Bewohner in Wohnsäcken durchs Haus schleichen, wie einst Familie Ziegler in der Lindenstraße.

Alles falsch. Tatsache ist, dass jedes Passivhaus auf eine Mindesttemperatur von 20° Celsius berechnet und geplant ist. Tatsache ist, dass die meisten Bewohner es gerne noch ein bis zwei Grad wärmer haben und im perfekt ausgeführten Passivhaus dies auch problemlos erreichen. Und Tatsache ist auch, dass es bei der Anwesenheit von Gästen sehr schnell kuschelig warm wird; 23 oder 24 ° sind in kürzester Zeit erreicht. Kein Wunder, denn jede erwachsene Person bringt sich mit etwa 80 Watt Heizleistung in die gesellige Runde ein, nach ein oder zwei Gläsern Wein können es auch 90 oder 100 Watt sein. Die Legende vom Haus, in dem man sich warm anziehen muss, braucht also nicht länger weiter erzählt zu werden.

Mythos Nr. 8: „Die Lüftungsanlage sorgt für erhöhtes Staubaufkommen"

Zunächst einmal gilt es zu klären, von welchen Stäuben dieser Mythos spricht. Gefährliche Schwebestäube, also Rußpartikel, Pollen und diverse organische und anorganische Luftschadstoffe können damit nicht gemeint sein. Die einströmende Luft im Passivhaus wird in Grob- und Feinfiltern gefiltert und ist damit – regelmäßiger Filterwechsel vorausgesetzt – sauberer als die Außenluft. Wenn von Staub in Wohngebäuden die Rede ist, sind meist größere, sichtbare Staubpartikel oder gar „Wollmäuse" gemeint.

Es gibt aber keinen Anhaltspunkt, wonach es im Passivhaus davon mehr geben sollte: Durch die Filterung der Luft wird weniger Staub ins Haus transportiert als etwa bei Fensterlüftung. Der Staub, der im Gebäude selbst entsteht, fällt unabhängig von der Lüftungstechnik an und kann deshalb mengenmäßig nicht mehr sein als in konventionellen Gebäuden. Bleibt die Möglichkeit, dass der Hausstaub durch die mechanische Lüftung stärker aufgewirbelt wird und sich in bestimmten Zimmerzonen häuft. Auch das ist unwahrscheinlich, denn die Strömungseffekte bei Fensterlüftung sind wesentlich größer als bei einer korrekt arbeitenden kontrollierten Wohnraumlüftung. Außerdem entfallen im Passivhaus Heizkörper, die in konventionell gebauten Gebäuden durch thermische Effekte zusätzlich für Luft- und Staubverwirbelung sorgen.

Es gibt allerdings zwei Ansätze, die möglicherweise ein erhöhtes bzw. ein als erhöht empfundenes Staubaufkommen erklären können.

  1. Der Bodenbelag. Während vor Jahrzehnten der Teppichboden noch der Bodenbelag der Wahl war, werden Neubauten heute überwiegend mit glatten Belägen versehen. Auf Parkett, Fliesen, Laminat oder Linoleum ist Staub besser sichtbar als auf dem Teppichboden der früheren Wohnung. Dieser hat auch gefährliche Stäube gebunden, aber freilich nicht beseitigt. Die heute modernen glatten Böden können dies nicht, bei ihnen sind die überflüssigen Partikel sichtbar.
  2. Der fehlende Straßenstaub. Stäube, die über die Fensterlüftung ins Haus strömen sind grau. Vermischt mit dem meist hellen „internen" Staub, fällt der gesamte Staub weniger auf, als wenn die Beimischung von außen fehlt. Dann fällt nur „interner", v. a. durch Textilabrieb entstehender Staub an, der sehr hell und entsprechend gut sichtbar ist.

Der Mythos vom hohen Staubaufkommen im Passivhaus beschreibt also eher eine Paradox: Im Passivhaus gibt es weniger Staub, der aber unter Umständen mehr wahrgenommen wird.

Mythos Nr. 9: „Das Passivhaus ist gut für Allergiker“

Schön, dass es auch Mythen rund ums Passivhaus gibt, die man nicht ins Reich der Märchen verweisen muss. Die Hoffnung, das Passivhaus könnte Allergikern Erleichterung verschaffen, ist so ein Mythos, der zumindest teilweise seine Berechtigung hat. Dann nämlich, wenn es um Atemwegsprobleme geht, ist das Passivhaus dank seiner kontrollierten Wohnraumlüftung im Vorteil. Wie schon beim Thema „Staub“ angesprochen, arbeitet die Lüftungsanlage mit Filtern, die nicht nur groben Schmutz von der Atemluft trennen. In der Regel wird die Außenluft zunächst mit einem Filter der Qualität G3 oder G4, anschließend mit Filterklasse F7 oder F8 gefiltert. Das heißt konkret:
Der Grobfilter G3 filtert Partikel in einer Größe ab >10µm und scheidet damit 80-90 % von Insekten, Fasern, Sand, Flugasche, Blütenstaub, Sporen und größeren Pollen ab. Der Feinfilter F7 hält wesentlich kleinere Partikel zurück. Er ist auf Teilchen bis 1µm ausgelegt und trennt diese zu 90-95 % von der Atemluft. Auch halb so große Partikelchen werden von ihm noch zur Hälfte ausgefiltert. Pollen, die vielen Allergikern Schwierigkeiten machen, weisen Größen ab 5µm (meist zwischen 20µm und 50µm) auf und werden damit garantiert ausgefiltert. Schwebstoffe wie Keime, Viren, Rauch oder Aerosole allerdings passieren beide Filter in großen Teilen ungehindert.

Regelmäßigen Filterwechsel vorausgesetzt hilft das Passivhaus also Pollen-Allergikern, zumindest, solange nicht parallel die Fenster geöffnet sind, was zur Sommerzeit ja durchaus üblich ist. Alle anderen möglichen Unverträglichkeiten, etwa gegenüber bestimmten Baustoffen haben mit dem Baustandard nichts zu tun. Hier muss jeder Bauherr selbst mit seinem Planer über die Vermeidung belastender Materialien reden. Ansonsten aber gilt: Bei Allergikern punktet das Passivhaus!

Mythos Nr. 10: „Die Lüftungsanlage steht im Besenschrank“

Bei den Anlagen, die im Passivhaus für Frischluft, Wärme und Warmwasser sorgen ist zunächst einmal zwischen modular aufgebauten und kompakten Systemen zu trennen. Bei den modular aufgebauten Anlagen hat etwa das Lüftungsgerät inkl. Rohrzuführung häufig die Größe eines Kühlschranks und mag damit in den Küchenbesenschrank passen. Ob es sinnvoll ist, sie dort zu platzieren, kann aber bezweifelt werden. Die Geräusche der Ventilatoren sind nicht zu überhören und gehören damit nicht in belebte Gebäudezonen.

Bei den Kompaktlüftungsgeräten, die also Wärmepumpe, Lüftungsaggregat und teilweise Wasserspeicher in einem Gerät vereinen ist die Lage noch wesentlich eindeutiger: Hier sorgten und sorgen Anzeigenmotive etwa der Hersteller Viessmann oder Zehnder für Aufsehen, die suggerieren, das Lüftungskompaktgerät könne ein Teil der Familie sein. Trotzdem sind diese wie allen anderen Anlagen auch für einen wohnraumnahen Aufstellungsort gewiss nicht geeignet. Die Arbeitsgeräusche der Ventilatoren, v. a. aber des Wärmepumpen-Kompressors legen ein Aufstellen im Keller oder in schallisolierten Räumen nahe. Hinzu kommt, dass der Anbau von Zu- und Fortluftrohren an den Geräten wesentlich mehr Platz in Anspruch nimmt, als die kompakte Bauweise vermuten lässt.

Im Besenschrank hat die Passivhaustechnik also definitiv nichts verloren.

Mythos Nr. 11: „Die Lüftung sorgt für Zugerscheinungen“

Falsch! Und wenn man es noch so oft hört. In Häusern mit kontrollierter Wohnraumlüftung (egal ob Passivhaus oder Niedrigenergiehaus) führt die Lüftung nicht zu Zugerscheinungen. Wenn die Luftwechselrate richtig eingestellt ist (ca. 0,4-facher Wechsel je Stunde), und wenn die richtigen Zuluftventile installiert sind, ist der Luftstrom nur unmittelbar am Ventil wahrnehmbar. Wer etwas anderes behauptet, lügt und ignoriert, dass die Alternative zur kontrollierten Wohnungslüftung die stündliche Fensterstoßlüftung für 5-10 Minuten ist – und zwar tags wie nachts. Dabei allerdings kann man wirklich von Zugerscheinungen sprechen.

Mythos Nr. 12: „Im Passivhaus herrscht trockene Luft“

Richtig ist, dass es im Passivhaus keine zu feuchte Luft gibt. Richtig ist, dass es unter Umständen im Winter zu eher trockener Luft kommen kann, was allerdings häufig mit zu üppig eingestellten Luftwechselraten zusammen hängt. Aber der Reihe nach:
Kalte Luft kann wesentlich weniger Feuchtigkeit aufnehmen als warme. In den Wintermonaten ist die Außenluft deshalb ohnehin deutlich trockener als zur warmen Jahreszeit. Wird die angesaugte kalte Luft in der Lüftungsanlage erwärmt, transportiert sie im Rahmen ihrer physikalischen Möglichkeiten nur sehr wenig Feuchtigkeit; die relative Luftfeuchtigkeit ist niedrig. Dies kann dazu führen, dass im Winter die Raumluft im Passivhaus eine relative Luftfeuchtigkeit von weniger als 30 % hat. Technisch lässt sich dem begegnen, indem die Luftwechselrate auf das hygienisch notwendige Maß (z. B. knapp 0,3-facher Wechsel) reduziert wird. Denkbar ist auch der Einsatz von Luftbefeuchtern oder der Einsatz von Feuchterückgewinnungsgeräten.

Denn Passivhaus-Kritikern sei also zugestanden, dass Sie mit dem Mythos der trockenen Luft ein in vielen Häusern schon festgestelltes Phänomen aufgreifen. Angst vor der trockenen Luft braucht aber keiner zu haben, da man das Thema mit richtiger Lüftungsstrategie oder notfalls auch technisch minimieren oder lösen kann.

Übrigens zeigte ein Studie der Uni Salzburg, dass der Mensch zwar Temperatur wahrnehmen kann, aber kein Sensor für Luftfeuchtigkeit ist: In Wohnungen, die mit ablesbarem Hygrometer ausgestattet waren, empfanden fast 90 % der Bewohner die Luft dann überwiegend zu trocken, wenn auch das Messinstrument entsprechend niedrige Werte anzeigte. Der Clou: Dort wo keine Hygrometer installiert waren, glaubten nur noch 31 % die Lufttrockenheit zu spüren.

Mythos Nr. 13: „Im Passivhaus herrscht ein angenehmes Wohnklima.“

Dies ist mehr als ein Mythos. Dies ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Im Passivhaus herrscht ein absolut angenehmes Wohnklima, dafür sorgen eine ganze Reihe von Faktoren:

  • Die kontrollierte Wohnungslüftung sorgt für immer frische, sauerstoffreiche und geruchslose Atemluft.
  • Überschüssige Feuchtigkeit wird sofort abtransportiert, zugunsten einer meist behaglichen Luftfeuchtigkeit.
  • Auf lästige Fensterlüftung verzichten zu können ist ein hoher Komfortgewinn.
  • Die Dreifachverglasung beschert den Bewohnern warme Glasoberflächen. Dadurch wird ein unangenehmes Strahlungsgefälle vermieden.
  • Auch Außenwände haben dank ihrer starken Dämmung warme Oberflächen.
  • Die luftdichte Bauweise sorgt für eine gleichmäßige Temperaturverteilung im Raum. Kaltluftseen am Boden kennt das Passivhaus nicht.

Neben der Energieeffizienz ist das Wohnklima die eigentliche Stärke des Passivhauses. Selbst vielen Bauherren wird erst nach dem Einzug bewusst, dass sie sich mit ihrem Haus eine Oase des Wohlfühlens geschaffen haben.

Mythos Nr. 14: „Passivhäuser haben eine schlichte Architektur“

Wie bitte? Passivhäuser sollen eine schlichte Architektur haben? Wer das glaubt, möge flugs die Bildersuche von Google bemühen oder in den „Passivhäusern des Jahres“ im Passivhaus Kompendium blättern.  

Hier aber soll zumindest kurz erklärt werden, woher der Mythos der schlichten Architektur seine Nahrung bezieht. Es hat sich unter den Fachleuten herumgesprochen, dass ein Passivhaus um so besser zu realisieren ist, je kompakter das Gebäude ist, das heißt je kleiner das Verhältnis von Fläche zu Volumen ist. Tatsächlich haben die einfachsten Formen, erst recht ohne Erker und Gaupen, ein besonders vorteilhaftes sogenanntes A/V-Verhältnis. In dieser Regel glauben eher barock denkende Planer und Bauträger, einen Nachteil des energieeffizienten Bauens entdecken zu können und verdrehen das Prinzip der einfachen Form in das Klischee von der einfältigen Architektur. Natürlich wird ein seriöser Passivhaus-Architekt seiner Bauherrschaft von manchem überflüssigen Winkel und Anbau abraten und sich stattdessen bemühen, mit anderen Ideen zu überzeugen. Es hat aber noch nie von Einfältigkeit gezeugt, wenn kreative Köpfe darauf verzichten, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. 

Mythos Nr. 15: „Für das Passivhaus gibt es Fördermittel“

Streng genommen muss man dieser Hoffnung widersprechen und gleichzeitig doch zustimmen. Wer ein Passivhaus baut, kommt zwar in den Genuss staatlicher Unterstützung, aber nicht unbedingt deshalb, weil er sich ausgerechnet für das Passivhaus entschieden hat. Zu verwirrend?
Das Passivhaus ist gesetzlich nicht definiert, es ist kein verbindlich dargelegter Baustandard, sondern eine Verabredung zwischen Auftraggeber und Ausführenden, dass das Haus nach verschiedenen vertraglich fixierten Kriterien geplant und gebaut wird, um später bestimmte, ebenfalls vereinbarte Kennzahlen zu erreichen. Förderrichtlinien von Marktanreizprogrammen oder von der KfW beschränken sich nie explizit auf das Passivhaus, sondern auf die Verwendung bestimmter Materialien, die Installation bestimmter Technik oder die Einhaltung bestimmter, vom Gesetzgeber definierter Energiekennzahlen. Der Passivhausbauherr kann dadurch in aller Regel ein oder mehrere Programme in Anspruch nehmen, mit einem etwas niedrigeren Anspruch an sein Haus, wären ihm die Programme aber auch offen gestanden. Gelegentlich gibt es aber doch Fördermittel gezielt für den Passivhausbau: Einzelne Kommunen haben dazu Programme aufgelegt. Gezieltes Nachfragen vor Ort kann sich lohnen.

Mythos Nr. 16: „Ein Passivhaus muss zertifiziert sein"

Dieser Mythos enthält Brisanz. Selbst die Passivhausexperten streiten sich darüber. Die einen sind überzeugt, dass ein Passivhaus ohne Zertifikat vom Passivhaus Institut Darmstadt oder einer der lizenzierten Büros kein Passivhaus sein kann. Die anderen sehen in der Zertifizierung keinen Sinn, außer dem, die Kosten in die Höhe zu treiben.

Jeder Bauherr muss wissen: Wer ein Passivhaus von einem Architekt planen oder einem Generalunternehmer bauen lässt, vertraut zunächst nur einem Versprechen. Das erstellte Passivhaus ist im besten Fall ein optimales Zusammenspiel einer Vielzahl von Hightech-Komponenten, die fehlerfrei hergestellt und auf der Baustelle perfekt verarbeitet sein müssen, damit das System Passivhaus auch tatsächlich funktioniert. Eine verlässliche Qualitätssicherung ist deshalb beim energieeffizienten Bauen unerlässlich.

Qualitätssicherung tut not

Die effektive Qualitätssicherung ist möglicherweise eine echte Schwachstelle im Baustandard Passivhaus. Verpflichtend vorgesehen und im Ergebnis verlässlich ist nämlich lediglich der Luftdichtheitstest durch das Differenzdruckverfahren, meist unterstützt durch Thermografie. Damit wird aber einzig überprüft, ob die Gebäudehülle luftdicht ausgeführt wurde. Es liegt daher nicht zuletzt am Bauherrn, wie viel Vertrauen er hat, und wie viel Qualitätssicherung er einfordert. Der Hebel lässt sich dabei an vielen Punkten ansetzen:

Erfahrung: Wie viel Passivhaus-Erfahrung hat das Architekturbüro und haben die Bauausführenden? In keinem Fall sollte man sich mit Neulingen einlassen, die ihre Erfahrung am konkreten Projekt sammeln  wollen. Vorteilhaft ist es auch, wenn man es mit einem zertifizierten Passivhaus-Fachplaner zu tun hat.

Vertragliche Regelung: Ist nicht nur in der Werbung, sondern auch im Vertrag von einem Passivhaus die Rede und wird dabei festgelegt, welche Kriterien das Haus später erfüllt? Alle blumigen Umschreibungen zu Niedrig- und Niedrigstenergiehäusern haben im Vertrag nichts verloren. Es muss ausdrücklich ein Passivhaus zugesichert sein, das einen Jahresheizwärmebedarf von maximal 15 kWh/m²a aufweist.

Berechnung: Wird das Haus in der Planungs- und Bauphase mit der einzig zuverlässigen Software PHPP (Passivhaus-Projektierungs-Paket) von einem Fachplaner berechnet? Der daraus resultierende Passivhaus-Nachweis muss dem Bauherrn unbedingt ausgehändigt werden.

Dichtheitsprüfung: Wird der Luftdichtheitstest richtig durchgeführt und werden dabei geortete Leckagen auch ordnungsgemäß ausgebessert? Dass Bauherren bei der eindrucksvollen Messung dabei sind, ist durchaus üblich.

Geeignetes Material: Werden Baustoffe und Komponenten eingesetzt, die als passivhaustauglich zertifiziert oder durch andere Prüfungen und/oder eine bauaufsichtliche Zulassung nachweislich fürs Passivhaus geeignet sind?

Baustellenrundgänge: Ist die Bauherrschaft gerne auf ihrer Baustelle gesehen? Regelmäßige Präsenz, prüfende Blicke und freundliches, ehrliches Interesse an der Arbeit der Handwerker können qualitätsfördernd  sein.

Thermografie: Wird ergänzende Infrarot-Fotografie eingesetzt? Damit lassen sich Schwachstellen in der Dämmung oder Wärmebrücken zuverlässig aufspüren.

Maximale Sicherheit

Wer die oben genannten Punkte beherzigt bzw. durchsetzt, ist mit seinem neuen bzw. neu sanierten Haus schon sehr weit auf der sicheren Seite. Wer ein noch höheres Maß an Sicherheit anstrebt, hat weitere  Möglichkeiten:

RAL-Güteprüfung: Den Schwachpunkt des ausschließlich softwaregestützten Passivhaus-Nachweises bzw. -Zertifikats überwindet das RAL-Gütezeichen. Die akkreditierten Güteprüfer überwachen auch die  Bauausführung und prüfen bei ca. fünf Baustellenterminen, ob die Planung auch mit der tatsächlichen Bauausführung übereinstimmt und ob alle Komponenten vorschriftsmäßig montiert werden. Diese Sicherheit hat freilich ihren Preis.

Passivhaus-Zertifikat. Das Passivhaus-Zertifikat wird aus der gleichen Datenbasis wie der Passivhaus-Nachweis nach PHPP erstellt und vom Passivhaus Institut oder einem seiner derzeit zehn Lizenzpartner im  deutschsprachigen Raum ausgestellt. Im Prinzip wird beim Zertifikat die korrekte Berechnung des Fachplaners überprüft und bestätigt. Einzelne Zertifizierer legen Wert darauf, das Haus auch selbst in Augenschein zu nehmen, was für ein weiteres Plus an Sicherheit sorgt. Für das Zertifikat sind bei einem Wohngebäude ca. 1000–1400 € fällig.

Fazit

Ein Passivhaus muss nicht zertifiziert sein, um ein Passivhaus zu sein. Die Zertifizierung ist aber ein probates Mittel, um den gewünschten Baustandard auch – mindestens rechnerisch – zu garantieren. Welches Maß an  Sicherheit die einzelnen Bauherren anstreben, muss jedem selbst überlassen bleiben. 

Mythos Nr. 17: „Dachfenster sind im Passivhaus tabu."

Gerüchte und Legenden – meist entstehen sie, weil jemand die falschen Schlüsse zieht und andere die vermeintlich schlechte Nachricht gierig aufnehmen und weitererzählen. Die Aussage, dass Dachfenster im Passivhaus nichts verloren hätten, ist so eine Fehlinterpretation.

Richtig ist, dass es derzeit keine Dachflächenfenster gibt, deren Passivhaustauglichkeit geprüft und bestätigt wäre. Tatsache ist auch, dass kein Dachfenstersystem in eingebautem Zustand den fürs Passivhaus geforderten Uw-Wert von 0,8 W/m²K erreicht. Faktisch teilen sich die beiden Hersteller Velux und Roto den Markt der Dachfenster im deutschsprachigen Raum. Beide haben schon seit einigen Jahren optimierte Fenster im Programm; der minimierte Soll-Wärmedurchgang wurde aber bislang nicht erreicht, obwohl beide Produzenten mit einer Dreifachverglasung arbeiten. Immerhin hat Roto mit einem 2009 neu vorgestellten Fenster einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Verschiedene Punkte sind es, die den Fenstern in Schräglage das energieeffiziente Leben erschweren. Zum einen ist die Neigung ein Problem: Ein Schrägfenster hat von vorneherein einen um 25 bis 30 % höheren Wärmedurchgang als ein senkrecht eingebautes Fenster. Ein weiterer Schwachpunkt ist der Rahmen: Diesem sind aus Stabilitätsgründen technische Grenzen gesetzt. Nachteilig wirkt sich auch der Einbau aus, der  beim Dachfenster konstruktionsbedingt besonders knifflig und wärmebrückenbehaftet ist. Möglicherweise spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass die Innovationskraft des Hersteller-Oligopols für einen bislang  kleinen Markt nicht besonders groß war.

Also keine Dachfenster ins Passivhaus? Aber doch, natürlich! Dachfenster haben nämlich auch ihre Vorteile: Durch ihre Schräglage und Verschattungsfreiheit sind die solaren Gewinne besonders hoch. Dies gilt insbesondere für Ost- und Westausrichtung. So können ihre Schwächen wesentlich ausgeglichen werden. Freilich sollte man es bei relativ spärlicher Verglasung auf dem Schrägdach belassen, schon, um im Sommer keine Überhitzungsprobleme zu bekommen.

Das Resümee ist eindeutig: Dachfenster sind noch mit wärmetechnischen Schwächen behaftet, stellen aber – sofern sie fachgerecht gedämmt und luftdicht eingebaut werden – kein Problem für die Energiebilanz des Passivhauses dar.

 

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